Die AG

Die AG Populärkultur und Medien

Wenige medienkulturwissenschaftliche Konzepte sind seit jeher so eng verknüpft wie die Begriffe „Pop(ulär)kultur“ und „Medien“.
Schon frühe Formen von Populärkultur waren an massenmediale Distributionsformen gebunden, allein um überhaupt Popularität in Anspruch nehmen zu können, ohne die sie wenig wirkmächtig wären. Die Auseinandersetzung mit populären Medienangeboten diente zugleich – nicht nur im Zuge der britischen Cultural Studies, aber dort sicherlich zuerst in einer systematischen Form – der konsequenten Erweiterung des (medien)wissenschaftlichen Blickfelds und der Überwindung einer elitären Hierarchisierung kultureller Phänomene. Heute finden sich immer mehr gute Gründe dafür, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit populärkulturellen Phänomenen als zentral für alle medienkulturwissenschaftliche Forschung anzusehen, weil Populärkultur sich als zuverlässiger Seismograph für Veränderungsprozesse erwiesen hat, die mit zeitlicher Verzögerung auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen Relevanz erhalten. Diese besondere Bedeutung populärkultureller Phänomene wird vielerorts anerkannt, jedoch resultiert daraus nur selten ein systematisches Forschungsprogramm zur (Weiter-)Entwicklung einer Theorie und Empirie von Populärkultur und ihrer medialen Formen. Erst jüngst haben sich neben deutschen Fortsätzen der Cultural Studies (z.B. Hepp, Horak, Lindner, Winter) und Pop(theorie)journalismen (z.B. Bunz, Diederichsen, Terkessidis) z.B. systemtheoretische und konstruktivistische Perspektiven auf Pop ausgebildet. Diese und weitere erscheinen oftmals (begründet) medienkulturwissenschaftlich unterfüttert (z.B. H.-O. Hügel, M. Kleiner, U. Stäheli, N. Werber), wurden bisher aber nicht systematisiert und gegenübergestellt.

Andere GfM-Arbeitsgruppen widmen sich ebenfalls Medientechnologien, die klassischerweise (auch) als populärkulturell angesehen werden, so etwa Film, Fernsehen, Comic, akustische Medien und digitale Spiele. Diese wichtigen Ansätze sollen durch eine eigenständige AG Populärkultur nicht ersetzt, sondern vielmehr produktiv ergänzt werden. Während die genannten AGs einzelne Medientechnologien in ihren Mittelpunkt stellen und von dort ausgehend zu populärkulturellen Phänomenbereichen kommen können, ist die Blickrichtung der AG Populärkultur und Medien die umgekehrte: Hier beginnt das Forschungsinteresse bei einem noch nicht medial fokussierten, theoretischen wie empirischen Interesse an Populärkultur und deren Zusammenhang mit und Auswirkungen auf Medien. Diese Perspektiven ergänzen sich in mehrfacher Hinsicht: Wenn man davon ausgeht, dass auch im Bereich crossmedialer Konvergenzen die Populärkultur eine Vorreiterrolle spielt und zunehmend spielen wird, ist ein solcher übergreifender Blick von entscheidender Bedeutung. Auch lassen sich erst aus einer medienübergreifenden Perspektive bestimmte theoretische wie empirische Fragen bearbeiten – angefangen bei der grundsätzlichen theoretischen Modellierung der Konzepte Populärkultur und Medien. Dabei sollen sowohl bereits vorliegende inter- und transdisziplinäre Ansätze auf Popkultur und Medien angewendet als auch genuin neue Grundlagen entwickelt werden, um der partiellen Kasuistik vorzubeugen („Ich habe auch schon mal was zu Bob Dylan gemacht“). Zugleich macht die medienübergreifenden Perspektive detaillierte und spezialisierte Fragestellungen in den Nachbar-AGs keineswegs obsolet, vielmehr profitiert sie immens von den dort gewonnenen Erkenntnissen. Sie könnte im Idealfall gar als Schnittstelle und Reflexionsinstanz zwischen den Forschungsrichtungen dienen.